Vereinsmeisterschaft Schach auswerten: DWZ-Meldung und Pokalvergabe ohne Streit
Vereinsmeisterschaft Schach Auswertung: Feinwertung bei Punktgleichheit, kampflose Partien und DWZ-Meldung sauber abwickeln, ohne Diskussion am Tresen.
Vereinsmeisterschaft Schach auswerten: DWZ-konforme Ergebnisermittlung und Pokalvergabe ohne Streit
Die letzte Runde ist gespielt, im Vereinsheim wird der Kaffee kalt. Auf dem Tisch liegt deine Tabelle, und ganz oben stehen mehrere Namen auf derselben Punktzahl. In zwei Wochen ist Saisonabschluss, der Wanderpokal soll vergeben werden, und du als Turnierleiter musst entscheiden, wer Vereinsmeister wird.
Das muss nicht in Diskussionen am Tresen enden. Wenn du vor dem Turnier sauber festgelegt hast, wie ausgewertet wird, und nach dem Turnier diszipliniert nach diesen Regeln vorgehst, gibt es selten Streit. Und falls doch jemand am Ergebnis zweifelt, hast du die Zahlen, die seine Frage beantworten.
Punktgleichheit in der Spitzengruppe, jetzt zählt die Feinwertung
Wenn am Ende eines Schweizer-System-Turniers mehrere Spieler auf gleicher Punktzahl liegen, reicht die reine Punktzahl nicht. Du brauchst eine Feinwertung.
Im Schweizer System sind in deutschen Vereinen vor allem drei Feinwertungen üblich. Buchholz summiert die Punkte aller Gegner eines Spielers, ist also ein Maß dafür, wie stark seine Gegnerschaft war. Feinbuchholz summiert wiederum die Buchholz-Werte der Gegner und glättet so Ausreißer. Sonneborn-Berger gewichtet zusätzlich, gegen wen man tatsächlich gewonnen oder remisiert hat.
Wichtig ist vor allem eins: Die Reihenfolge der Feinwertungen muss in der Turnierausschreibung stehen, bevor das Turnier startet. Wenn du erst nach der letzten Runde diskutierst, welche Wertung zuerst gilt, hast du keine Ausschreibung, sondern eine Streitvorlage. In vielen Vereinen ist die Reihenfolge Buchholz, Feinbuchholz, Sonneborn-Berger üblich, andere drehen die ersten beiden um. Beides ist legitim, solange es vorher festgelegt war.
Bei einem Rundenturnier sieht die Sache anders aus, weil dort jeder gegen jeden gespielt hat. Hier ist Sonneborn-Berger die klassische erste Feinwertung, oft ergänzt durch den direkten Vergleich der punktgleichen Spieler.
Was passiert, wenn auch die Feinwertung keine Entscheidung bringt? Dann greift, was in der Ausschreibung als nächster Schritt steht: entweder ein Stichkampf, oft mit Schnellschach- oder Blitzpartien, oder eine weitere Feinwertung, die ihr vorher als endgültig erklärt habt.
Der Wanderpokal und die Frage, was als Vereinsmeisterschaft zählt
Zwei Spieler haben gleich viele Punkte und identische Feinwertungen. Laut Ausschreibung folgt jetzt ein Stichkampf. Einer der beiden ist aber schon im Urlaub, der andere besteht auf seinem Recht.
Du hast zwei saubere Wege. Erstens: Der Stichkampf wird nachgeholt, der Wanderpokal wird beim Sommerfest übergeben statt beim Saisonabschluss. Zweitens: Die Ausschreibung sieht für genau diesen Fall vor, dass bei Verhinderung eines Spielers die nächste Feinwertung oder der direkte Vergleich entscheidet.
Was nicht funktioniert: spontan eine neue Regel erfinden, weil sie dir gerade passt. Selbst wenn alle anderen mitspielen, hast du damit eine Tür geöffnet, durch die im nächsten Jahr jemand zurückkommt.
Beim Wanderpokal selbst lohnt es sich, eine kurze Liste zu führen, wer ihn in welchem Jahr bekommen hat. Bei manchen Vereinen läuft der Pokal seit Jahrzehnten, die Gravur ist voll, und alte Jahrgänge lassen sich nur noch in einem Ordner klären. Eine simple Liste im Vereinssystem oder auf einer Seite im Internet erspart spätere Recherche.
Kampflose Partien, der eigentliche Streitpunkt
Erfahrungsgemäß diskutieren Vereine selten ernsthaft über Buchholz oder Sonneborn-Berger. Worüber sie diskutieren, sind kampflose Partien. Spieler X tritt in Runde 4 nicht an, bekommt eine 0, sein Gegner einen kampflosen Punkt. Oder bei ungerader Teilnehmerzahl bekommt jemand ein Freilos. Und plötzlich verschieben sich Buchholz-Werte in der Spitzengruppe.
Die DSB-Wertungsordnung sieht für solche Fälle Regelungen über einen sogenannten virtuellen Gegner vor. Verbreitet ist die Variante, dass für eine kampflos gewonnene Partie in der Buchholz-Berechnung ein virtueller Gegner angesetzt wird, dessen Punktzahl an die eigene Punktzahl gekoppelt ist, oft die eigene Punktzahl minus ein halber oder ein ganzer Punkt. In anderen Vereinen wird der nicht gespielte Gegner schlicht mit 0 Punkten in die Buchholz eingerechnet, was den Wert deutlich drückt. Beide Wege findet man in der Praxis, die genaue Umsetzung kann zwischen Landesverbänden variieren.
Der zweite Streitpunkt ist die Frage, ob ein kampfloser Sieg in der Feinwertung voll oder reduziert zählt. Manche Vereine werten den Punkt für die Tabelle voll, lassen ihn in der Feinwertung aber außen vor, weil dort die Spielstärke der Gegner zählen soll und ein nicht erschienener Gegner nichts darüber aussagt. Andere zählen die Partie voll mit. Auch hier gilt: beide Wege sind verteidigbar, solange sie vor dem Turnier feststehen.
Die Empfehlung ist deshalb: Schreib in deine Turnierausschreibung einen Satz, wie kampflose und Freilos-Partien in der Feinwertung behandelt werden. Welche Berechnung für den virtuellen Gegner gilt, ob kampflose Siege in der Feinwertung mitzählen, und wie Freilose verbucht werden. Wenn dieser Satz drinsteht, fällt die Diskussion vor dem nächsten Sommerfest weg.
Die Ergebnisse zum Deutschen Schachbund melden
Eine DWZ-Auswertung läuft in zwei Schritten: vor dem Turnier anmelden, nach dem Turnier Ergebnisse übermitteln.
Vor dem Turnier meldest du das Turnier beim Wertungsreferenten deines Landesverbands an. Du bekommst dafür einen Turnier-Code, der das Turnier eindeutig identifiziert. Ohne diese Anmeldung kann der Wertungsreferent die Partien später nicht zuordnen, das Turnier fällt aus der DWZ-Wertung. Die Anmeldung verlangt in der Regel Turniername, Veranstalter, Modus (Schweizer System oder Rundenturnier), geplante Rundenzahl, Bedenkzeit und Zeitraum.
Nach der letzten Runde übermittelst du die Ergebnisse. Das geschieht in der Praxis meist über einen Export aus der Turniersoftware, in deutschen Vereinen ist Swiss-Manager der gängige Standard. Swiss-Manager kann eine fertige Ergebnisdatei erzeugen, die das Format der DSB-Datenbank trifft. Daneben akzeptieren die meisten Landesverbände PGN-Dateien oder strukturierte Excel-Listen. Wer kein Swiss-Manager nutzt, sollte beim Wertungsreferenten vorher kurz nachfragen, welches Format erwünscht ist.
Inhaltlich braucht die Meldung pro Partie Spieler 1, Spieler 2, Ergebnis und Rundennummer, dazu pro Spieler die Stammdaten, also DSB-ID (manchmal als ZPS-Nummer bezeichnet), Name und Geburtsjahr. Ohne saubere DSB-ID lässt sich die Partie nicht eindeutig zuordnen, und der Spieler taucht in der Auswertung nicht oder doppelt auf.
Die eigentliche Übermittlung erfolgt durch den Turnierleiter oder den DWZ-Referenten des Vereins über die Mitglieder- und Ergebnisdatenbank des DSB, in der Praxis meist über das Onlinesystem MIVIS. Meldefristen und einzelne Detailregeln gibt der Landesverband vor.
Ein häufiger Stolperstein: Ein Spieler ist neu im Verein, hat aber noch keinen DSB-Pass. Dann fehlt seine DSB-ID, das Turnier wird zurückgewiesen oder die Partien dieses Spielers fallen aus der Wertung. Deshalb gehört der Mitgliedsantrag beim DSB vor das Turnier, nicht erst danach.
Wenn du deine Mitgliederliste sauber pflegst, also DSB-IDs, FIDE-IDs und aktuelle DWZ-Werte je Mitglied an einer Stelle stehen hast, wird die Meldung erheblich entspannter. Du exportierst die Liste, gleichst sie mit dem Turnierfeld ab und übermittelst die Ergebnisse, ohne jede Nummer einzeln suchen zu müssen.
Genau dafür bauen wir gerade schachheim. Mitgliederverwaltung, Turnierorganisation mit Feinwertungen für Schweizer System und Rundenturnier, und die DWZ-Daten an einem Ort, sodass du am Ende der Saison nicht zwischen drei Tabellen hin und her springst.
Wenn du das ausprobieren willst, sobald wir live gehen, trag dich auf der Warteliste ein: schachheim.de. Wir melden uns, sobald dein Verein an der Reihe ist.